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Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf. (Afrikanisches Sprichwort)

Kinder, Eltern und auch Lehrer sind mit der heutigen Situation an den Schulen immer häufiger unzufrieden.

Denn es sind oftmals nur die schulleistungsstarken Kinder, die ihren Weg durch den Dschungel Schule schaffen. Kinder, die nicht systemkonform lernen können - aus welchen Gründen auch immer -  fallen durch das Leistungsraster.

 Mittlerweile versuchen viele Eltern selbst, ihr Kind zu unterstützen und sie greifen auf andere Möglichkeiten zurück. Es gibt eine Vielzahl an Institutionen, die ebenfalls versuchen, Kinder im Schulprozess zu unterstützen. Leider ist es häufig so, dass diese Unterstützung unabhängig voneinander existiert und sich auch nicht gegenseitig über diese Prozesse informiert, bzw. vernetzt. Die verschiedenen Erzieher, Pädagogen, Therapeuten, Ärzte und Kursleiter sind nur unzureichend oder gar nicht über das Kind als Ganzes informiert.

 Und dann sind da auch Kinder, die keinerlei Unterstützung aus dem Elternhaus erfahren. Sei es aufgrund fehlenden Know-hows oder  mangelnder finanzieller Mittel. Diese Kinder geraten immer häufiger ins gesellschaftliche Abseits. Die jetzige Form von Schule kann dies alles nicht auffangen; Lehrer sind bereits jetzt durch die mannigfaltigen Anforderungen an Ihre Belastungsgrenzen gestoßen. Sie sollen Lehrende, Erzieher, Therapeuten und wenn möglich noch Diagnostiker in einer Person sein.

 Durch unsere gesellschaftlichen Veränderungen sind Eltern häufig auf sich alleine gestellt. Die aktive Unterstützung durch Familie oder dörfliche Gemeinschaft gibt es in unserer Gesellschaft immer seltener. Umso wichtiger ist es dann, zu versuchen, einen Ausgleich zu schaffen. Die Anforderungen an „Schule“ wachsen immer mehr, je mehr es gesellschaftlich verantwortete Defizite gibt. Diesen Herausforderungen muss sich die Gesellschaft stellen und dabei nicht die Verantwortung dafür an die Institution Schule oder die Eltern abgeben.

 In diesem gesellschaftlichen Dilemma entwickelte der Grundschulleiter Andreas Dittmann, zusammen mit Koordinatorin Daniela Scharf und ihrem Team, eine neue Idee. Der Versuch, Ausgleich zu schaffen für gesellschaftlichen Missstand, endet in der ganz konkreten Umsetzung, alle am Erziehungsprozess Beteiligten nicht nur an einen Tisch zu bekommen, sondern ganz individuell das Kind in den Vordergrund zu stellen. Das ist die Idee gewesen, die heute in das „Vernetzte Bildungshaus“ (VBH) mündet.

 In den Grundschulen, so die Vision, könnten alle möglichen Aspekte des Lebensalltags eines Kindes, die seine Entwicklung unterstützen und fördern, unter einem Dach zusammengetragen werden. Alle Menschen, die an der Erziehung eines Kindes beteiligt sind, werden zusammengebracht, beraten über die Situation gemeinsam und handeln. Das ist das Angebot.

 Ein riesiger Pool von Fachwissen entsteht, die verschiedenen Therapeuten, Pädagogen und Anbieter können sich untereinander austauschen und beraten, vereinzelte Therapieansätze können in einem Gesamtkonzept zusammengefasst werden. Es entsteht eine Vernetzung zwischen den verschiedensten Institutionen. Alles jeweils unter einem Dach — mit kurzen Wegen und geringen Hemmschwellen.

 Inzwischen hat das Team (VBH) viele Menschen für seine Idee gewinnen können. Eltern,  Pädagogen und Therapeuten  sind begeistert über die vielen Möglichkeiten, die sich aus diesem Konzept ergeben. Denn die Idee der Vernetzung macht ohne Frage Sinn. Der Nutzen für das Kind liegt auf der Hand. Und die Koordination von Fachwissen würde jeden einzelnen „Netzwerker“ bereichern.

 Viele Kursanbieter, Therapeuten, Verbände, die Musikschule, die Uni, etc. haben bereits Interesse an einer Kooperation signalisiert. Der Verein „Vernetztes Bildungshaus e.V.“ wird die Entwicklung eines tragfähigen Konzeptes vorantreiben.

 Auch wenn noch viele Fragen offen sind, der Verein „Vernetztes Bildungshaus e.V.“ hat seine Arbeit aufgenommen. Das Büro am Brüdertor 1  in Soest ist besetzt und telefonisch dienstags bis freitags von 10 Uhr bis 12 Uhr erreichbar.

 Schließlich wird es eine Art Informationsbörse für Soest geben, um interessierte Ehrenamtliche, Vereine, Therapeuten, Ärzte, Lehrer, Eltern, etc. zusammen bringen zu können.

 So könnte eine Seniorin im Bildungshaus das Angebot „Stricken“ einreichen, weil sie sich nützlich einbringen möchte. Vielleicht suchen Sie mit ihrem Kind, bei dem ADHS diagnostiziert wurde, auch andere Lösungen als es der rein medizinische Weg vorgibt? Ein Lehrer braucht dringend eine Begleitung für den Museumsbesuch, das VBH hat eine Kartei mit freiwilligen Helfern dazu. Das Bildungshaus sammelt Informationen und kann diese weitergeben.  Wie eine Art Verbraucherzentrale wird das VBH eine zentrale Anlaufstelle, und bietet Informationen in alle Richtungen, für alle Grundschulen und alle Menschen, die an dem Aufwachsen eine Kindes beteiligt sind. Dabei übernimmt das Bildungshaus die zentrale Verwaltung und Koordination, erarbeitet Standards und schließt Verträge mit den Kooperationspartnern, bietet Vorträge und Workshops zu verschiedensten Themen an und richtet einige zentrale Angebote ein, wie z.B. Forscherräume in Zusammenarbeit mit der Uni. Die zentrale Struktur „Bildungshaus“ bietet maximale Übersicht, die dezentrale Umsetzung ermöglicht die „kurzen Wege“, die den entscheidenden Vorteil bieten.

 Die Schulen können  völlig frei  die für sie sinnvollen Angebote auswählen und gern nutzen.

 Sich um die Kinder zu kümmern heißt, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Diese betreffen nicht nur die Anforderungen an die Schule der Zukunft, sondern werden auch der demographischen Entwicklung Rechnung tragen müssen.

 Eine lohnenswerte Investition also, die jedem einzelnen Kind und der Stadt als Ganzes zu Gute kommen wird. Unsere Kinder sollen zu starken und ausgeglichenen Menschen heranwachsen, die selbstbewusst ihren Platz in der Gesellschaft einnehmen können.

 Vernetzung ist der Meilenstein für die positive Entwicklung unserer Kinder.